Der Mann mit dem Hut

Jeden Morgen um viertel vor 7 kommt er uns entgegen. Egal, ob die Sonne scheint, ob es regnet, stürmt oder schneit. Immer auf die Minute pünktlich. Sein Gang ist schnell und entschlossen, sein Blick auf den Boden gerichtet.

Die Straße, an deren Rand er läuft, ist nicht für Spaziergänger gemacht. Es gibt kein Licht.  Eine Verbindung zwischen zwei Städten. Dazwischen … nichts. Straße halt.

Der Mann trägt stets einen dunkelroten Anorak, eine dunkle Hose und einen weißen Hut.

Hut
Manchmal
hat er eine Art Aktentasche dabei, meistens aber nichts.

Blass sieht er aus. Und nicht besonders froh.

Wo er wohl hingeht? fragen wir uns.
„Nicht zur Arbeit, dafür ist er zu alt“, sagt der Pubertist.
Nicht einkaufen, denke ich. Hier gibt’s weit und breit kein Geschäft.

Gestern hatte er einen silbernen Koffer dabei.
„Das ist bestimmt ein Geldkoffer!“ Der Pubertist klang aufgeregt.
Warum sollte er mit einem Geldkoffer bei diesem Wetter so früh morgens durch die Dunkelheit laufen?“, fragte ich.
„Oh, man kann nie wissen!“, murmelte der Pubertist. „Das Leben ist voller Geheimnisse.“

In der Tat.

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