Mittwoch, 17. Juni: Sonniger geht’s nicht!

8 Monate Vorfreude.
110 km Autobahn.
12.000 Menschen.
1 großartiger Sänger und Songwriter mit einer 12köpfigen Band.
50 Jahre Musikgeschichte.

Neil Diamond

Mit Kind Nummer 3 als Begleitung bin ich nach Köln gefahren, um Neil Diamond, den Grandseigneur der Balladen, live zu sehen. Was für ein Erlebnis! Der Mann ist inzwischen 74 Jahre alt, sein Bariton ist immer noch außergewöhnlich, und er rockt die Lanxess Arena von Anfang bis Ende. Ohne Vorband, mehr als zwei Stunden lang, ohne Pause.

Seine Musik hat mich durch mein ganzes Leben begleitet:
Zu meiner ersten eigenen Jeans gehörte natürlich Forever in Blue Jeans.
Dank I am I said habe ich die schlimmsten Pubertätskrisen überlebt.
Die übermütigen Zeiten im Leben wurden durch Crackling Rosie erst richtig herrlich.
Auf der Suche nach dem Sinn hätte ich mir keine schönere Begleitung wünschen können als die Musik zu Jonathan Livingston Seagull.
Eine Cassette mit Beautiful noise nudelte ständig im Recorder bei meinem Start ins Berufsleben in der Großstadt.
Sich Hals über Kopf verlieben kann nicht schöner sein als zu den Klängen von Longfellow Serenade.
He ain’t heavy, he’s my brother – eine großartige Hymne an die Menschlichkeit.
Song Sung Blue habe ich extra laut gesungen an den trüben Tagen im Leben …
und an den ganz trüben Tagen half früher und hilft heute immer noch diese Passage aus Stones: „Being lost is worth the coming home.“

Kind Nummer 3 ist 19 Jahre alt. Vermutlich, so dachte ich, wird er der einzige junge Mensch in der Halle sein. Weit gefehlt! Viele Mütter waren mit ihrem erwachsenen Nachwuchs gekommen. Zwar konnte der nicht jedes Wort der Songtexte lauthals mitsingen, wie die meisten Mütter, sah aber trotzdem aus, als hätte er jede Menge Spaß.

Tatsächlich haben die Zuhörer die meiste Zeit über gestanden bzw. getanzt, gesungen und geklatscht. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so eine wunderbare Stimmung bei einem Konzert erlebt habe – und ich war auf vielen schönen Konzerten.

Bei Sweet Caroline explodierte die ohnehin schon großartige Simmung in der Lanxess Arena in einem Feuerwerk aus Lebensfreude. Jedesmal, wenn der Song sich dem Ende näherte, skandierten die Zuhörer den Refrain, und Neil Diamond  begann von vorn – sichtlich gerührt von der großen Sympathie, die sein Publikum ihm entgegen brachte.

Good times never feel so good, lautet eine Zeile von Sweet Caroline.
O doch! Good times feel very very good! Hier gibt’s einen kleinen Einblick, mit Untertönen eines begeisterten Fans. 🙂

Was bin ich für ein Glückskind, mit so großartiger Musik aufgewachsen zu sein!
Ich verbeuge mich vor Neil Diamond.

weiter für die Jahreszeit zu kalt

Ich vermisse meine alte Spülmaschine. Sie war eigenwillig, launisch und kapriziös, und oft genug habe ich ihr das übel genommen. Aber nun fehlt sie mir.

Die neue ist so leise. Zu leise. Außerdem zu unauffällig. Und zu freundlich.

Wenn ich mal wieder einen Teller vergessen habe, die Maschine öffne und ihn noch hineinstelle, beschwert sie sich nicht. Gar nicht. Sie wartet einfach, bis ich fertig bin, und sobald ich ihre Tür wieder geschlossen habe, arbeitet sie weiter. Leise. Unauffällig. Freundlich.

Sie verliert nicht ab und zu Wasser, um auf sich aufmerksam zu machen.

Sie bleibt nicht einfach mal stehen, um mich herauszufordern.

Sie bricht kein Programm vorzeitig ab, weil die Sonne scheint oder weil Mittwoch ist.

Kurz gesagt: Sie ist die perfekte Spülmaschine.

Ob ich sie mal ermutigen sollte, weniger perfekt zu sein?

Ich will Frühling! Jetzt sofort!

Kennen Sie Tomte Tummetott? Nein? Dann haben Sie was verpasst. Astrid Lindgren hat ihn 1960 erfunden: einen kleinen Wichtel mit dünnen Beinchen und einer großen Nase. Er ist zuhause auf einem abgelegenen Hof, der tief verschneit im Winterschlaf liegt.

Tomte stapft mit langem Rauschebart und roter Mütze durch den Schnee: „Viele Winter und viele Sommer sah ich kommen und gehen. Geduld, nur Geduld, der Frühling ist nah.“

Sein Optimismus in Anbetracht der Schneemassen hat mich immer sehr beeindruckt.

„Viele Winter und viele Sommer sah ich kommen und gehen. Ach, kehrten doch bald die Schwalben zurück. Ach, zöge doch bald der Sommer ins Land.“

Fast habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht so weise und gelassen bin wie Tomte, sondern am liebsten mit dem Fuß stampfen und „Frühling! Jetzt sofort!“ schreien würde.

Andererseits – ich habe eine Freundin, die behauptet, wünschen allein hilft nicht. Manchmal, so sagt sie,  muss man seinen Wunsch laut hinaus schreien.

Wie wär’s – schreien Sie mit?

 

Tomte Tummetott

 

Seit Jahresbeginn durchgehend sonnig

… und nicht einmal der kleine Pubertist, der mit mir die Wohnung teilt, kann daran etwas ändern. Im Gegenteil: meine anhaltend positive Grundstimmung scheint hin und wieder auf ihn abzufärben.

Musste ich mir vor ein paar Tagen noch anhören, dass die Musik der 60er und 70er aus dem Mittelalter stammt (oder welches Jahrhundert war das noch mal, Mama?) und dass Helene Fischer die einzig wahre Musik macht, geeignet für alle von der Oma bis zum Kindergartenkind, konnten wir uns heute musiktechnisch doch tatsächlich einigen und haben auf der Heimfahrt vom Schulbus gemeinsam lautstark Andreas Bouranis Ein Hoch auf uns mitgesungen. Geht doch!

Wer mit einem Pubertisten zusammenlebt, weiß natürlich, dass das Pendel sehr bald wieder in die Gegenrichtung ausschlägt. Bitte sehr:

Mittagessen nach einem langen, anstrengenden Schultag. Kind hängt über seinem Teller und schaufelt sich im Eiltempo Essen in den Mund. Mama sagt kein Wort.

Kind, leicht irritiert: „Willst du nicht meckern?“

Mama, völlig entspannt: „Nö.“

Kind: „Na dann ist ja gut. Falls Du es Dir anders überlegen solltest – vergiss es. Ich hab mich die letzten drei Tage gut benommen, das muss reichen. Und außerdem sind Ermahnungen von Erwachsenen soooowas von überflüssig, echt ey!“

Pubertisten – man muss sie einfach lieben!

Dienstag, 9. Dezember: wolkig mit Aufheiterungen

Niemals in der Welt hört Haß durch Haß auf.
Haß hört durch Liebe auf.
Buddha

Theoretisch wissen wir das alle. Und wie schwer die praktische Umsetzung ist, wissen wir auch alle. Ich hatte in den letzten Wochen reichlich Gelegenheit, die Umsetzung zu üben.

Ein lieber Mensch sagte mir, wie sehr es ihn berührt, daß ich dem Haß meine Liebe entgegen setze. Bis zu dem Zeitpunkt war ich nicht sicher gewesen, ob meine Liebe ausreichen würde gegen all den Haß. Aber dann habe ich verstanden: Sie reicht nicht nur aus, sie vermehrt sich auch noch und strahlt ab auf die Menschen drumherum. Und sie ermöglicht Heilung für die Generationen davor und für die danach. Vielen lieben Dank, M., für Deine Worte!

Ich möchte diese Botschaft hier weitergeben: Was auch immer Ihnen passiert ist, wie schlimm es auch war – Sie müssen sich nicht als Opfer fühlen, Sie müssen nicht in der Ohnmacht stecken bleiben. Jetzt und hier können Sie dem Haß ein Ende machen. Haß hört durch Liebe auf. Und das vermeintliche Böse ist oft nur ein kleines Kind, das im Dunkeln weint.

Samstag, 15. November 2014: zauberhafte Nachmittagssonne

Der Auftritt von Grönemeyer bei Wetten dass hat mich nachdenklich gemacht. So viel überschwengliche Freude, so viel geballte Lebenslust – müssen wir uns dafür erst neu verlieben? Könnten wir das nicht auch so haben? Auch und gerade in Zeiten, die eigentlich nicht zum Singen und zum Tanzen sind?

CIMG2426Ich habe ein schönes Gedicht dazu gefunden: den nächsten Tag, das nächste Jahr sehen als eine Feier des ungeahnten, unglaublichen und einzigartigen Lebens.

Mit einer draufgängerischen Seele
Wenn wir
die Tür nach einem vergangenen Tag,
nach einem dunklen Monat
und einem unverständlichen Jahr
zufallen lassen könnten,
ohne Verkrampfung und ohne Verzweiflung,

wenn wir
von uns selbst nicht mehr erwarten würden,
alles endgültig und richtig und bestens zu bewältigen,
sondern in unseren Fehlern unser Menschsein bejahten,

wenn wir die Schönheit der Umwege
und den tieferen Sinn des Verlorengehens
mit unserem Wesen begreifen könnten,

wenn wir
jedes Ende als einen Anfang verstehen könnten
und nicht als einen Weltuntergang,

wir wären Pfeile,
die schon im Flug ihr Ziel in sich spüren,

wir wären Blumen,
die sich von ihrer Entfaltung nicht abhalten lassen würden,

wir würden leben, nicht nur in Raten
(als bezahlten wir eine geheime Schuld),
nicht nur verhalten und scheu,
sondern mit aufgekrempelten Ärmeln,
mit einer draufgängerischen Seele
und einem offenen Geist,
und der nächste Tag und das nächste Jahr
wären weniger eine Probe
als eine Feier des ungeahnten, unglaublichen
und einzigartigen Lebens.
Ulrich Schaffer

CIMG2425

Freitag, 7. November: überraschend heiter!

Ich staune immer wieder darüber, wie nah Licht und Schatten beieinander liegen. Und darüber, dass der Vollmond offensichtlich magische Kräfte hat. Gestern Abschied, heute Aufbruch: Mein neues Buch will hoch hinaus!

Ich habe nichts dagegen.
Sie haben die Gelegenheit, am Erfolg mitzuwirken!Bademanteltag

Jeder, der mitwirkt, gewinnt ein Buch seiner Wahl aus meinem Repertoire: Wohlfühlbuch, Gesundheitsratgeber, Geschenkbuch oder heiterer Roman. Was Ihr wollt (frei nach Shakespeare). Versprochen.

Alle Infos, die Sie brauchen, gibt’s hier:
Bademanteltag Lovelybooks Leserpreis2014

Dankeschön!

Donnerstag, 6. November 2014: ruhiges, klares Herbstwetter

Das einzig Wichtige im Leben
sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen,
wenn wir gehen.
Albert Schweizer

Das schönste Denkmal,
das ein Mensch bekommen kann,
steht in den Herzen seiner Mitmenschen.

Albert Schweizer

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde

Aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

Unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke

Heute habe ich gelernt, dass man einen Menschen, mit dem man es sehr schwer hatte und der keine liebevollen Spuren hinterlassen hat, in Frieden gehen lassen kann. Danke, W., für die Buchstaben.

Sonntag, 2. November: ausgesprochen heiter

Wir haben einen Hausgeist. Einen freundlichen. Seit dem allerersten Tag in unserem Zuhause. Lachen Sie nicht. Das ist eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Über Hausgeister in der slawischen Mythologie gibt es sogar ein Uni-Referat von Marina Allgeier und Leyla Getagasova.

Ich nehme an, unser Hausgeist ist irgendwie mit dem slawischen domovoi verwandt. Auch er hat seinen Platz am Ofen (weil er die Kälte fürchtet) unter der Decke, wo er sich mit einer Art Pfeifen oder Poltern bemerkbar macht.

Der domovoi wird auch die zweite Hälfte genannt, was auf seine Verbindung mit der Familie hinweist. In ihm soll die Seele eines wohlwollenden Ahnen wohnen.

Jahrelang habe ich die Existenz unseres Hausgeistes freudig zur Kenntnis genommen. Mit so einem Geist ist man nie ganz allein, und man fühlt sich auf geheimnisvolle Art beschützt.

In den letzten Jahren habe ich intuitiv vieles richtig gemacht, z.B. bade ich abends nicht zu spät. Das gefällt dem Geist nämlich nicht. Wenn ich ihn höre, was überwiegend abends oder nachts passiert, seltener tagsüber, schicke ich ihm einen freundlichen Gruß. Das gefällt ihm. Hausgeister, habe ich inzwischen gelernt, freuen sich, wenn sie beachtet werden.

Hausgeister hat es zu allen Zeiten gegeben:

Die Kelten glaubten, dass im Holunderbusch Hausgeister lebten, die das Haus und seine Bewohner vor Schaden bewahrten. Daher galt der Holunder als heilig und durfte weder beschnitten noch gefällt werden.

Auch im Germanischen Heidentum war der Hausgeist bekannt. Er beschützte das Haus und brachte den Bewohnern Glück. Man stellte ihm regelmäßig ein Schälchen mit Brei an den Ofen und zündete ihm eine Bienenwachskerze an. Zu den Jahresfesten bekam er auch Kuchen oder etwas Bier. Der Hausgeist der Germanen liebte es harmonisch. Lärm und Streit waren ihm zuwider.

Die Römer pflegten sorgsam ihre Hausaltäre, auf denen kleine Figuren der Schutzgeister für Haus und Familie (Laren) sowie für Herd und  Vorräte (Penaten) standen.

In Iwate/Japan kennt man Zashiki-warashi, einen Hausgeist, der als kleines Mädchen mit Pagenkopf dargestellt wird. Es hält sich in ruhigen Räumen auf, spielt gern mit den Kindern, zeigt sich jedoch nie den Erwachsenen. Seine Anwesenheit bringt der Familie Glück und Reichtum.

In Skandinavien gibt es Kobolde und Hausgeister, die den Hausbewohnen gern Streiche spielen und Sachen verschwinden lassen, die später an unerwarteten Orten wieder auftauchen.

Die Isländer gehen ganz selbstverständlich mit Geistern um. Dort gibt es sogar Elfenbeauftragte, die mit den Naturgeistern kommunizieren, bevor ein Bauprojekt beginnt.

Der 5. Januar (Tag vor dem Dreikönigstag) gilt als der Tag, an dem Menschen am besten Kontakt mit ihrem Hausgeist aufnehmen und ihm für seine Hilfe danken können. Ich habe den Termin in meinen Kalender eingetragen.

P.S.: Auch die Dichter haben sich der Geister angenommen, z.B. Ludwig Seeger, der „schwäbische Heinrich Heine“: Gute Geister