Samstag, 23. Januar: Winterschlaf wäre nicht schlecht

Es gibt Tage, die sind früh am Morgen schon schwer wie Blei. Beim Blick aus dem Fenster passt sich die Stimmung den Außentemperaturen an: minus 3 Grad, gefühlt minus 10. Dichter Nebel draußen. Dichter Nebel auf der Seele.
Der Wochenendeinkauf erledigt sich nicht von allein. Jeder Autofahrer und jeder Fußgänger hat schlechte Laune. Die Ampeln scheinbar auch. Sie sind noch länger rot als sonst.
In der Fußgängerzone höre ich Musik. Sicher irgendein kaufanregendes Gute-Laune-Gedudel. Nein. Falsch. Da wird eine Geige gestimmt. Eine Geige?!
Tatsächlich. Der Mann, der sie stimmt, ist sehr groß und unter den vielen Schichten Kleidung  sehr dünn. Seine roten Halbfingerhandschuhe haben Löcher. Er lächelt, wie ich seit langer Zeit niemanden habe lächeln sehen.
Dann tragen die Nebelschwaden die ersten Töne von Que sera sera durch die Innenstadt. Plötzlich ist es hell. Und warm.
Eine alte Frau geht an mir vorbei. Sie zieht einen Einkaufstrolley und singt leise Whatever will be will be.
Ich gehe in die nächste Bäckerei und kaufe einen großen Becher Kakao. Noch Tage später freue ich mich über das Dankeschön-Lächeln des Geigenspielers.

 

 

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